Emissionsfreie Baustellen

Interview mit Andreas Geiger, Leiter Integrierte Managementsysteme, Swietelsky AG

Andreas Geiger, Leiter Integrierte Managementsysteme, Swietelsky AG © Swietelsky AG
Andreas Geiger, Leiter Integrierte Managementsysteme, Swietelsky AG © Swietelsky AG
Im Hochbau benötigen Kräne enorme Leistungsspitzen. Im Projekt maxE will sie Swietelsky unabhängig vom lokalen Stromnetz machen. © Swietelsky AG
Im Hochbau benötigen Kräne enorme Leistungsspitzen. Im Projekt maxE will sie Swietelsky unabhängig vom lokalen Stromnetz machen. © Swietelsky AG
Die Arbeiter von Swietelsky waren von den elektrifizierten Baumaschinen beim Probelauf begeistert. © Wacker Neuson
Die Arbeiter von Swietelsky waren von den elektrifizierten Baumaschinen beim Probelauf begeistert. © Wacker Neuson
100 % emissionsfreies Arbeiten: Der vollelektrische Minibagger von Wacker Neuson hat auch auf Baustellen von Swietelsky schon Einsatz gezeigt. © Wacker Neuson
100 % emissionsfreies Arbeiten: Der vollelektrische Minibagger von Wacker Neuson hat auch auf Baustellen von Swietelsky schon Einsatz gezeigt. © Wacker Neuson
Die elektrifizierte Rüttelplatte erzeugt selbst keinen Lärm mehr. © Wacker Neuson
Die elektrifizierte Rüttelplatte erzeugt selbst keinen Lärm mehr. © Wacker Neuson

02.06.2022

Das neue Projekt maxE will Treibhausgas-, Lärm und Feinstaubemissionen auf Baustellen sowie die negativen Auswirkungen auf das Stromnetz reduzieren und den Einsatz von erneuerbarem Strom auf Baustellen erhöhen. Dies soll mit einem Batteriespeichersystem gelingen. Der Baukonzern Swietelsky ist einer der Projektpartner. Projektmanager Andreas Geiger über Motivation und Ziele.

Was hat Sie dazu motiviert, Teil des Projektkonsortiums zu werden?

Im Zuge unserer Strategieausrichtung für 2030 haben wir uns mit Emissionsvermeidung auf den Baustellen befasst. Wacker Neuson hat uns eingeladen, auf einer Baustelle alle ihre elektrifizierten Geräte zu testen. Das haben wir dann im Schweizergarten in Wien gemacht, wo wir die Außenanlagen gestaltet haben. Dieser Probelauf ist äußerst positiv verlaufen, also haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie wir mit dem Thema weiter umgehen. Über Wacker Neuson sind wir zum maxE-Konsortium gestoßen. Wir waren froh, dass das Thema Strombereitstellung auf Baustellen bearbeitet wird und sind deshalb gleich von Anfang an dabei gewesen.
 

Was sind die größten Herausforderungen bei der Stromversorgung auf Baustellen?

Wir müssen hier unterschiedliche Arten von Baustellen trennen: Im Hochbau benötigen Kräne enorme Leistungsspitzen, auch die modernen, sprich 200 kW und mehr. Das sind enorm dicke Kabel und der Betrieb führt zu einer Belastung des örtlichen Stromnetzes. Oft berichten Verbraucher, die vom gleichen Trafo versorgt werden, meist ganze Siedlungen, von sogenannten Rückkoppelungen, wenn in der Nähe ein Baukran in Betrieb ist, etwa flackerndes Licht oder Probleme mit elektrischen Geräten. Auch die Netzbetreiber erlauben uns deshalb oft nicht, den Strom von der nächstgelegenen Anschlussmöglichkeit zu beziehen. Die Folge ist, dass wir oft Hunderte Meter lange, leistungsstarke Kabel verlegen müssen. Im Projekt hoffen wir, dass wir ein Batteriespeichersystem entwickeln können, das eine Netzumgebung ohne Rückkoppelung vom Kran aufs Netz ermöglicht. Und zweitens müssen wir die Baustelle nicht mehr mit ganz hohen Ladeströmen bzw. Versorgungskabeln einrichten, wenn wir den Kran direkt an den Akku hängen. Deshalb beteiligt sich auch die Netz OÖ am Projekt, denn der Pufferspeicher macht eine hohe Anschlussleistung überflüssig und belastet das örtliche Stromnetz nicht mehr.
 

Wie sieht die Lösung für den Tiefbau aus?

Die mobile Station ist ein Anhänger mit Akku und kommt in der Früh „als Stromtankstelle“ geladen auf die Baustelle. Es geht auch darum, die elektrischen Verbraucher wie Kleingeräte, Elektrofahrzeuge der Bauarbeiter und den Mannschaftstransporter auf der Baustelle aufladen zu können. Wir können in elektrifizierte Baugeräte erst investieren, wenn es eine sichere Stromversorgung zum Aufladen auf der Baustelle gibt. Was jetzt der Benzinkanister ist, soll in Zukunft die mobile Akkustation auf der Baustelle sein.
 

Im Projekt maxE geht es auch um die Reduzierung von Lärm. Wie wollen Sie das in den Griff bekommen?

Das ist ein positiver weiterer Aspekt der Geräte, die wir getestet haben, dass die Maschinen wesentlich leiser sind. Aber das ist nicht das Kernthema im Projekt. Unsere Vorarbeiter und Poliere haben das sofort positiv angemerkt, dass die Geräte viel leiser sind. Laut Arbeitnehmerschutzverordnung tragen die Arbeiter natürlich einen Gehörschutz, wenn sie ihn brauchen. Aber bei diesen Geräten brauchen sie ihn zum Teil nicht mehr. Wenn zum Beispiel Asphalt geschnitten wird oder mit der Rüttelplatte gearbeitet wird, ist die mechanische Arbeit der Lärmerzeuger und nicht das Gerät.
 

Ein Ziel des Projekts ist, die Feinstaubemissionen zu verringern. Welchen Beitrag kann Swietelsky hier leisten?

In erster Linie in Innenräumen, wenn die Lüftung schwierig ist, erwarten wir uns große Fortschritte, beispielsweise bei der Asphaltierung in Tiefgaragen. Wir können unsere Emissionen nicht über vorhandene Lüftungen abführen, sondern installieren eigene Entlüftungen. Diese werden bei elektrischen Geräten nicht mehr nötig sein. Beim Staub auf Baustellen erwarten wir uns keine Verbesserungen, denn wo mechanisch gearbeitet wird, entsteht einfach Staub. Der Hauptaspekt ist, dass das ein Umweltthema ist und es um die CO2-Reduktion geht.
 

Ist es nicht schwierig, bei Baustoffen CO2 zu reduzieren?

Hier gibt es zahlreiche Initiativen: Es wird zum Beispiel massiv daran gearbeitet, Zement CO2-ärmer herzustellen. Die Ziegelproduzenten arbeiten ebenso daran wie die Stahlerzeuger. Wir verwenden heute wesentlich mehr nachhaltige Baustoffe. Es ist ein deutlicher Trend zum Holzbau zu beobachten. Wir arbeiten permanent auch an der Logistik. Das Projekt maxE ist hier ein Meilenstein. Transportfahrzeuge anderer Branchen mit fixen Routen tun sich da leichter. Wir aber fahren an einem Tag in der Ebene an einen See, am nächsten Tag muss der Lkw einen Berg und 1.000 Höhenmeter mit Schotter oder heißem Asphalt bezwingen. Dieser Transport geht noch nicht ohne Lkw mit Verbrennungsmotoren. Künftig werden wir auf unseren Baustellen elektrifizierte Kleingeräte sehen. Die sind in der Anwendung mindestens genauso gut wie jene mit Verbrennungsmotor, ich sage sogar besser, weil sie leiser und wartungsärmer sind. Im Wesentlichen geht es darum: Elektrogeräte werden im Alltagsbetrieb auf Baustellen dann eingesetzt, wenn eine verlässliche und schnelle Lademöglichkeit gegeben ist. Darum beteiligen wir uns an maxE.
 

Ist im Rahmen des Projekts wieder eine Testbaustelle geplant?

Ja, wenn der Container fertig ist, werden wir Teststationen einrichten, auch mit den entsprechenden Messgeräten. Da alle Projektpartner in Oberösterreich sind, werden diese Baustellen in Oberösterreich geplant. Uns geht es ganz wesentlich um die Akzeptanz unserer Mitarbeiter, dass der Polier sagt, das will ich auf der nächsten Baustelle wieder haben.
 

Swietelsky bemüht sich schon seit geraumer Zeit intensiv darum, immer umweltfreundlicher zu agieren. Was haben Sie bereits alles umgesetzt?

Bei uns sind sämtliche Investition der vergangenen Jahre umweltfreundlicher als der Status, den wir vorher hatten. Beim Fuhrpark setzen wir auf Reduktion von Emissionen und Elektromobilität, wo es geht. Wir haben auch sämtliche Gebäude im Visier. Wir haben bereits zahlreiche PV-Projekte realisiert. Bei Neubauten beachten wir alles, was derzeit Status ist, z. B. werden keine Heizungen mit fossilen Brennstoffen mehr vorgesehen. Auch bei Asphaltmischanlagen wird auf emissionsärmere Heizmedien umgestellt bzw. werden bauliche Maßnahmen gesetzt, um mit weniger Energie auszukommen.

 


 

maxE – Ladeinfrastruktur für maximale Elektrifizierung auf Baustellen

Ziel des Projekts maxE ist die Entwicklung und Demonstration einer Sektorkopplung, die die elektrische Energieversorgung und -speicherung für mobile und stationäre Mobilitätsanwendungen umfasst, um den täglichen Energiebedarf von Groß- und Tagesbaustellen mit batterieelektrischen Fahrzeugen und Maschinen zu decken, bei gleichzeitiger Sicherstellung der Spannungsqualität am Anschluss zum öffentlichen Stromnetz. Die Ergebnisse sollen anschließend auch für andere, überwiegend temporäre Großverbraucher anwendbar und reproduzierbar sein und dazu beitragen, die Stromqualität insgesamt zu sichern und zur Netzstabilität durch neue emissionsfreie Mobilitätsformen beizutragen. Das Projekt wird vom Klima- und Energiefonds im Rahmen des Programms Zero Emission Mobility gefördert.

Projektpartner:

  • Voltlabor GmbH
  • Swietelsky AG
  • Energieinstitut der JKU Linz
  • Netz Oberösterreich GmbH
  • ConPlusUltra GmbH
  • Automobil-Cluster OÖ

Portraitfoto Ing. Matthias Koller

Ing. Matthias Koller, MBA

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