Datenanalyse unterstützt Sozialbetrugsbekämpfung

Projektleiter am SCCH. DI Johannes Himmelbauer, Data Science Experte. © Software Competence Center Hagenberg (SCCH)
Projektleiter am SCCH DI Johannes Himmelbauer, Data Science Experte. © Software Competence Center Hagenberg (SCCH)
Screenshot des Dashboard Tools RAD: Detailansicht eines Unternehmens © Software Competence Center Hagenberg (SCCH)
Screenshot des Dashboard Tools RAD: Detailansicht eines Unternehmens © Software Competence Center Hagenberg (SCCH)

25.11.2020

Intelligente Algorithmen können in großen Datenmengen rasch und verlässlich Muster – und damit Auffälligkeiten – erkennen. Das kann erfolgreich auch zur Bekämpfung von Sozialbetrug genutzt werden, wie ein Projekt des SCCH mit der ÖGK zeigt.

Versicherungsbetrug ist teuer für eine Volkswirtschaft. 2015 wurde daher in Österreich das Sozialbetrugsbekämpfungsgesetz erlassen, um unter anderem die Krankenversicherungsträger vor Missbrauch zu schützen. Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum RAD (Risiko- und Auffälligkeitsanalyse im Dienstgeberbereich) und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) entwickelte das SCCH im COMET-Projekt SmartDD eine automatisierte Vorschlagshilfe für Verdachtsfälle. Daraus entstand ein Prüfsystem für ganz Österreich, das erfolgreich eingeführt wurde.


Automatisiertes Aufspüren von Auffälligkeiten

Beim Aufspüren möglicher Verdachtsfälle waren die Experten von RAD bislang mit einer Vielzahl an Datenquellen, unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten und vielfältigen Unternehmen und Versicherten konfrontiert. Außerdem existieren verschiedenste Arten von Betrugsmustern. Daher verwendeten sie Analysen, die sich auf bestimmte Szenarien – beispielsweise einzelne Wirtschaftsbranchen, Finanzauffälligkeiten in der Vergangenheit oder spezielle Betrugsmuster – konzentrierten, für stichprobenartige Überprüfungen. Aus diesen Szenarien und den Zeitreihendaten entwickelten die Forscher/innen am SCCH ein Modell, das rasch und automatisch einzelne Branchen und Firmen vergleicht.

„Unsere Aufgabe war es, Verdachtsfälle auf Dienstgeberseite automatisiert zu erkennen. Mit einer intelligenten Kombination aus Methoden des Maschinellen Lernens und statistischer Ausreißer-Bewertung lassen sich basierend auf den Erfahrungen von RAD aus den vorliegenden Daten Auffälligkeiten bestimmen. Das Ergebnis ist eine monatliche Scoringliste jener Unternehmen, deren Werte auffällig sind. Die Entscheidungsgewalt bleibt bei den Experten,“ erklärt Projektleiter DI Johannes Himmelbauer, Data Science Experte am SCCH.

„Die Scoringliste unterstützt unsere ExpertInnen bei der gezielten Auswahl relevanter Verdachtsfälle. Der Vorteil sind punktgenaue und zeitnahe Interventionen, um die wenigen schwarzen Schafe aufzuspüren. Je höher der Scoringwert eines Dienstgebers in einer der Listen ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einen Missbrauchsfall aufzudecken“, zeigt sich Dr. Gerhard Mayr, Fachbereichsleiter Versicherungsservice der ÖGK, zufrieden.


Zentrales System für ganz Österreich

Das Projekt wurde laufend erweitert und 2018 von Oberösterreich auf ganz Österreich ausgerollt. Dazu wurde das bestehende Modell ergänzt und mit den spezifischen Daten der übrigen Bundesländer trainiert, um die regionalen Unterschiedlichkeiten abzubilden. Das Ergebnis ist ein allumfassendes Expertensystem, welches ident auf alle österreichischen Unternehmen anwendbar ist. Da die Sozialbetrugsbekämpfung im Hinblick auf neue Betrugsmuster und Gesetzgebung dynamisch ist, wurden auch die Modelle dynamisch gestaltet und können bei Bedarf neu kalibriert werden.


Über das Software Competence Center Hagenberg

Die Software Competence Center Hagenberg GmbH (SCCH) ist ein unabhängiges Forschungszentrum im Bereich Software in Österreich und zählt zu den Beteiligungsgesellschaften der Upper Austrian Research GmbH (Member of UAR Innovation Network), der Leitgesellschaft für Forschung des Landes OÖ. Seit der Gründung des SCCH im Jahr 1999 setzt das COMET K1-Kompetenzzentrum auf anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung im Softwarepark Hagenberg. Im Mittelpunkt stehen Data Science & Software Science. Die enge Kooperation mit Partnern aus der Wissenschaft, insbesondere mit dem Gründungspartner JKU sowie mit zahlreichen namhaften Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie, macht das SCCH zu einem Paradebeispiel für eine gut funktionierende Ausrichtung entlang der ‚Innovation Chain‘ Bildung, Forschung und Wirtschaft. Das SCCH hat seine Schwerpunkte sowohl in Software für die Produktion, als auch in den Daten, die durch die lernenden Systeme eine immer größere Rolle spielen. Ohne diese Kombination an Schwerpunkten sind Industrie 4.0 und KI nicht denkbar.

Das COMET-Zentrum Software Competence Center Hagenberg wird im Rahmen von COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch BMK, BMDW und Land Oberösterreich gefördert. Das Programm COMET wird durch die FFG abgewickelt.