Are you ready to be driven?

© iStock/metamorworks
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23.12.2020

Künstliche Intelligenz ermöglicht autonomes Fahren. Doch trauen wir dem Bordcomputer? Wie Forscher und Entwickler daran arbeiten, dass wir kein mulmiges Gefühl mehr dabei haben, wenn wir die Hände vom Lenkrad nehmen, damit befasst sich die Session „AI for Mobility“ beim OÖ Zukunftsforum am 23. März 2021.

Komponenten, die mit Künstlicher Intelligenz automatisiertes Fahren ermöglichen, werden immer mehr in jegliche Art von Fahrzeugen und Infrastruktur der Personen- und Gütermobilität eingesetzt werden. In diesem hochsensiblen Bereich führt die intransparente Entscheidungsfindung von KI-Systemen zu einer schwierigen Vertrauensbildung. Jeder von uns hat sicher schon Sätze gehört wie „Beim Autofahren will ich die Kontrolle selbst behalten“ oder „Ich verlasse mich lieber auf mich als auf den Bordcomputer“. Dabei vergessen die meisten, dass sie sich auf die Software des Autopiloten verlassen, sobald sie in ein Flugzeug einsteigen.
 

Vertrauensgrundsatz gilt nicht

Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit sind nur einige der Attribute, die „sichere KI“ gewährleisten muss. Anders als im Straßenverkehr gewohnt, ist für Maschinen der Vertrauensgrundsatz nicht gültig. Um trotzdem künftig einen sicheren Betrieb und damit die Akzeptanz zu gewährleisten, gilt es, sich dem Thema trustworthiness von KI-Lösungen zu widmen. Die Session „AI for Mobility“ zeigt auf, wie Forschungsergebnisse in reale Tests einfließen und von Unternehmen in innovative FUTURE MOBILITY Produkte und Dienstleistungen übergeführt werden.
 

Juristische Herausforderung

Karin Bruckmüller ist Projektleiterin an der JKU Linz und Professorin an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien für Strafrecht und Strafprozessrecht. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen KI und Strafrecht. Gemeinsam mit Stefan Schumann hat sie das Projekt „Autonomous Driving in Austria – Predictions by, and a challenge for Criminal Law“ geleitet und ist Projektpartnerin in weiteren Forschungsprojekten zu den Themen AI, Recht und Ethik. Nikolaus Hofer ist Software Engineer und wissenschaftlicher Mitarbeiter der RISC Software GmbH mit dem Schwerpunkt ITS und Mobility. Im Projekt SafeSign beschäftigt sich Hofer beispielsweise mit der maschinellen Erkennung von Verkehrszeichen auf Autobahnen.
 

Interdisziplinarität gefragt

Gemeinsam werden Bruckmüller und Hofer beim Zukunftsforum den Vortrag „Trauen Sie einer KI?“ halten. Darin behandeln sie das Thema, wie wir Menschen KI-Systemen im Straßenverkehr bzw. autonomen Fahrzeugen Vertrauen entgegenbringen können. Denn betroffen wären nicht nur die Autofahrer, sondern auch Fußgänger, Radfahrer und Zweiradlenker. „Technisch robuste Lösungen können zwar die Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen unterstützen, aber die Technik allein reicht nicht aus“, betonen die beiden Experten. Technik, Recht und Ethik müssen von der Konzeption bis zur Auslieferung interdisziplinär zusammenwirken, um vertrauenswürdige Produkte zu entwickeln. Bruckmüller und Hofer werden von ihren Erfahrungen aus der Praxis berichten und neu erarbeitete Hilfsmittel vorstellen.
 

Software als Wachhund

Andreas Lauinger ist überzeugt: „Autonome Fahrzeuge werden bald zu unserem Alltag gehören. Bisher mangelt es in der Gesellschaft aber (noch) an Vertrauen in diese neue Technologie, insbesondere, wenn wir über Sicherheit sprechen.“ Der Experte war bei Magna für die Entwicklung der eDrivePlattform, die Fahrzeugintegration sowie Beschaffungsprogramme für verschiedene OEMs verantwortlich. 2017 gründete Lauringer die Kontrol GmbH. Das Unternehmen arbeitet an einer Technologie, die die Sicherheit erhöht und rechtliche Rahmenbedingungen für autonome Fahrzeuge schafft. „Unsere Software ist eine Art Wachhund, der im Auto mitfährt und prüft, ob sich das selbstfahrende Fahrzeug an die Regeln hält. Wir können in Echtzeit validieren, ob das Auto die Gesetze einhält“, erklärt Lauinger.
 

Gesetze mit Mathematik einhalten

In seinem Vortrag geht Lauinger auf diese Software genauer ein. Sie konzentriert sich auf die formale Verifikation des Verhaltens und der Bewegungsplanung von autonomen Systemen. Die formale Verifikation ist eine Methodik zum mathematischen Nachweis des Ergebnisses und der Richtigkeit von Computeralgorithmen auf der Grundlage vordefinierter Spezifikationen. Diese Kerntechnologie könnte in mehreren Anwendungsfällen eingesetzt werden, wird aber derzeit als sehr relevant im Zusammenhang mit autonomen Systemen wie Kraftfahrzeugen oder Luftfahrzeugen angesehen.
 

Testen und Analyse

„Wie verlässlich ist Künstliche Intelligenz? – Testen und Analyse für die Systeme der Zukunft“ heißt der Vortrag von Rudolf Ramler. Er ist Research Manager für Software Science am Software Competence Center Hagenberg (SCCH). Seine Forschungsgebiete sind Qualitätssicherung und Testen sowie Analyse, Entwicklung und Evolution großer, komplexer Software- und AI-basierter Systeme. Welchen Beitrag die Testregion Digitrans zum autonomen Fahren – speziell zum autonomen Gütertransport – leistet, erfahren die Teilnehmer im Vortrag von Eva Tatschl-Unterberger, der Geschäftsführerin der DigiTrans GmbH.

www.zukunfts-forum.at