
Welchen Wert hat Qualität?
Mit einer provokanten Frage eröffnete Konrad Scheiber das diesjährige Forum. Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit von Max Kunze in Deutschland befasst sich mit dem Thema „Unternehmensethik und Wertemanagement“. Kern der Arbeit ist die Untersuchung der „Wertigkeit“ von Qualität im Zusammenhang mit Unternehmenserfolg. Das Ergebnis ist laut Konrad Scheiber durchaus spannend: „Eine Umfrage im deutschen Mittelstand reiht den Faktor Qualität auf einer Werteskala auf Platz 1. Noch vor Werten wie Verantwortung, Offenheit, Innovation, Kundenorientierung, Zusammenarbeit, Vertrauen und Tradition. Bei DAX- oder Dow-Jones Unternehmen liegt der Wert der Qualität jeweils erst an siebenter Stelle. Aber ist wert(e)volle Qualitätsarbeit nicht ein wichtiger Gratmesser für Stakeholder was die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens betrifft und somit auch wesentlich für nachhaltigen Unternehmenserfolg?“ Zeiten wie diese zeigen, dass börsenotierte Unternehmen von den mittelständischen qualitätsorientierten Betrieben durchaus lernen können. Die Integration von Werten in moderne Integrierte Managementsysteme ist eine Forderung von Konrad Scheiber im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen unserer Zeit.
„Raus aus dem Mittelmaß“ erfordert Mut zur Bewertung
„Für Quality Austria liegt Unternehmensqualität in der Verantwortung der Führung und beginnt mit der Qualität von Führung und Management“, erklärt Dr. Franz-Peter Walder, geschäftsführender Vorstand der AFQM, in seinem Vortrag. Klare Strategie, engagierte Menschen und konsequente Weiterentwicklung der Prozesse führen zu Leistungen und wirtschaftlichen Erfolgen, die deutlich besser sind als das Mittelmaß. Die größte Herausforderung für beste Unternehmensqualität sei es, das operative Geschäft exzellent umzusetzen und mit nachhaltiger Arbeit an der Zukunft zu verbinden, betont Walder. Nachhaltige Unternehmensqualität beginnt mit vorurteilsfreiem Bewerten der aktuellen Situation. „Durch ein Self-Assessment werden die Fragen nach Stärken und Potenzialen fundiert bearbeitet und in ein Statusbild zusammengeführt. Darauf aufbauend gilt es, die erkannten Verbesserungspotenziale über einen längeren Zeitraum hinweg konsequent zu realisieren.“
Führungspotenzial liegt brach zu Lasten der Wertschöpfung
Mag. Alois Czipin, Geschäftsführer vom gleichnamigen Beratungsunternehmen Czipin Consulting GmbH, zeigt auf, dass die Produktivität österreichischer Unternehmen abgenommen hat. „Die Zahl der unproduktiven Arbeitstage in Österreichs Unternehmen ist von 79 Tagen im Jahr 2007 auf 84 Tage im Jahr 2008 angestiegen“, so Czipin. Mangelnde Planung und Führung, schwache Kommunikation, fehlende Arbeitsmoral, IT Probleme und die teilweise geringe Qualifikation der Mitarbeiter sind laut Czipin wesentliche Ursachen hierfür. Insbesondere versinke das mittlere Management in Verwaltungsaufgaben - Mitarbeiterführung käme viel zu kurz. Konrad Scheiber in Bezug auf diese Entwicklung: „Die identifizierten Ursachen für den Rückgang der Produktivität können mittels der Anforderungen und Werkzeuge von Qualitätsmanagement gezielt und systematisch bearbeitet werden.“
Hirschmann Automotive managt a la Wikipedia – eine wertvolle Lösung
Erfolgreiche Modelle aus der Praxis wurden im Rahmen des Quality Austria Forums ebenfalls präsentiert. Beispielsweise hat Hirschmann Automotive GmbH, Autozulieferer mit Hauptsitz in Rankweil (Vorarlberg) und Werken in Tschechien und Rumänien, Anfang 2008 mit dem Umbau seines integrierten Managementsystems nach ISO-TS 16949:2002 und ISO 14001:2004 zu einem dynamischen, Wikipedia-basierten System begonnen. Samuel Neuhauser, verantwortlich für Managementsysteme bei Hirschmann Automotive: „In nur vier Monaten wurde dieses transparente Tool umgesetzt und eingebaut. Das Ergebnis: geringere Kosten als bei anderen Softwarelösungen, mehrsprachige Anwendbarkeit, Steigerung der Akzeptanz und Transparenz eines Integrierten Managementsystems im gesamten Unternehmen.“ In Summe also eine wertvolle Lösung für alle Beteiligten.
Internationale Entwicklungen und Trends
Die Veranstaltung bot genügend Raum für Präsentationen der Quality Austria Experten zu den aktuellen Entwicklungen aus der Welt der Standards und Normen.
Die Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 wurde Ende 2008 mit moderaten Änderungen publiziert. Thomas Szabo, Normungsexperte der Quality Austria: „Die frühere Ausgabe 2000 war eine sehr erfolgreiche und bewährte Norm. Eigentlich hat sich 2008 nicht die Norm verändert, sondern das Wirtschaftsumfeld hat sich in der letzten Dekade radikal gewandelt. Somit wurde die Norm diesen Änderungen angepasst.“ Nach Abschluss der Revision 2008 wurde sofort mit der Vorbereitung einer nächsten, größeren Revision von ISO 9001 begonnen. Szabo: “Die Sitzung des zuständigen ISO Komitees in der letzten Woche in Tokyo wurde entscheidend von diesem Projekt geprägt.“
Rechtssicherheit – ein fundamentaler Wert an sich
Ing. Wolfgang Hackenauer, Umweltexperte der Quality Austria: „Nach der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001 wurden weltweit 200.000 Zertifikate ausgestellt. In Österreich sind es 800, davon wurden von Quality Austria 460 auditiert.“ Rechtssicherheit spiele für die Unternehmen eine wichtige Rolle. „Umweltzertifizierte Betriebe haben ihre Hausaufgaben durch die von der Norm geforderte Legal Compliance systematisch gemacht“, erklärt Hackenauer. Die Bewertung der Umweltleistungen trete nun noch stärker in den Vordergrund, blickt Hackenauer in die Zukunft. Aktuell liegt der Entwurf zur ISO 14005 vor. Dabei handelt es sich um einen Leitfaden für die schrittweise Umsetzung eines Umweltmanagementsystems inklusive der Nutzung der Leistungsbeurteilung für kleine und mittlere Unternehmen.
Arbeitssicherheit - Ende der Übergangsfrist
„Die Übergangszeit des Sicherheitsmanagementmodells OHSAS 18001:2007 endet mit 31.06.2009“, informiert Ing. Alfred Huber, Sicherheitsexperte der Quality Austria. Empfehlenswert sei es, bereits jetzt bei Zertifizierungs- und Überwachungsaudits auf die neue Revision umzusteigen. Wesentliche Änderungen betreffen die Verfahren zur Ermittlung und Beurteilung von Gefährdungen oder den Nachweis über Qualifizierung von Personal des Auftragnehmers sowie den Nachweis zur Einhaltung der gesetzlichen Forderungen.
Lebensmittelbranche - Ohne IFS-Zertifikat keine Listung
Alfred Greimel, Branchenmanager für Lebens- und Futtermittel in der Quality Austria: „Grundsätzlich wird auf die Lebensmittelhersteller großer Druck ausgeübt, die Einhaltung von Lebensmittelsicherheits- und Hygieneanforderungen durch Audits überprüfen zu lassen.“ Die Anforderungen des International Food Standards (IFS) beinhalten strenge Hygienevorschriften, Verhinderung jeglicher Kontamination und die Steuerung der Herstellungsabläufe an den kritischen Prozessschritten gemäß HACCP. Von diesen Anforderungen seien ursprünglich besonders Produzenten von Eigenmarken betroffen gewesen. Der Druck, Zertifikate vorzulegen, erfasse nun in weiterer Folge die gesamte Lebensmittelkette und beziehe auch die Markenartikel (Brands) mit ein. Greimel: „Ohne IFS-Zertifikat keine Listung. Das Zertifikat ist der Türöffner zu den großen Handelsorganisationen.“
Information
Quality Austria Trainings-, Zertifizierungs- und Begutachtungs GmbH
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